Investigativer Journalismus als notwendiges Handwerkszeug - Interview mit Michael Schomers

Investigativer Journalismus als notwendiges Handwerkszeug
Michael Schomers ist einer der bekanntesten Journalisten Deutschlands für investigativen Journalismus. Unuminmultis gibt hier kurz seine Meinung zu den wichtigsten Methoden des Investigativen Journalismus wieder.
Gilgenmann: Guten Tag, Herr Schomers, könnten Sie uns, als erfahrener Journalist des investigativen Journalismus, in wenigen Worten sagen, welche für Sie die drei wichtigsten Methoden des investigativen Journalismus sind?
Schomers: „Journalismus hat überhaupt erstmal die Aufgabe die Welt zu erklären und Hintergründe aufzuzeigen. Insofern müssen wir die nötige Konsequenz daraus ziehen, dass wir Hintergründe aufdecken müssen. Wir müssen zuerst recherchieren, eine Tugend, die heutzutage oft zu kurz kommt. Recherchieren heißt auch, Dinge an die Öffentlichkeit zu bringen, die nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollen und diese auf Zusammenhänge hin zu verknüpfen.
Dazu kommt für mich, dass ich in vielen Projekten das eigene Erleben brauche. Das heißt, zu erleben, was an den Orten wirklich passiert und welche Empfindungen die Menschen in den jeweiligen Situationen haben. Dieses Empfinden kann ich natürlich nur zum Teil mitbekommen, aber ich kann zumindest ein Gefühl dafür entwickeln.
Ich erlebe auch, dass sich viele Menschen sehr öffnen, wenn sie merken, dass der Journalist nicht nur kommt, um das Interview zu machen, um seine eigene Meinung zu bekräftigen, sondern wenn sie merken, dass der Journalist sich auf die Situation selbst auch einlässt.
Der dritte Punkt: Wo ich keine Informationen freiwillig bekomme, muss ich mich in die Situation begeben, um Informationen zu bekommen, die ich ansonsten nicht erhalte. Dies heißt also „Undercover“, um etwas zu entdecken. Dies heißt aber auch, eventuell in der Situation ein Kronzeuge sein.
Ich habe mehrere Monate als LKW-Fahrer mit Gefahrgut-Transporten gearbeitet, und war dort somit Kronzeuge für die Kollegen, die mir zwar ihre Situation erzählten, die dass aber nicht offen vor der Kamera machen wollten, weil sie Angst haben mussten, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren. In solchen Fällen haben wir eine ganz wichtige Funktion!“
Gilgenmann: Gerade in Lateinamerika haben wir Journalisten insbesondere die Schwierigkeit mit Zensur. Sie würden also sagen, dass man als „Undercover“-Journalist mehr Möglichkeiten hat an die nötigen Informationen zu gelangen?
Schomers: Ich glaube, dass der investigative Journalismus ein notwendiges Handwerkszeug ist, den wir in dem Moment zur Verfügung haben, wenn es nicht anders geht. Da kommen natürlich viele Fragen hinzu - ethische Fragen: Was, von dem was ich erfahre, bringe ich an die Öffentlichkeit und was nicht. Hinzu kommt die Frage des Schutzes meiner Informanten. Das sind alles Fragen, die man diskutieren muss.
Undercover-Journalismus bedeutet ein Handwerkszeug zu benutzen, um an eine Information zu gelangen, die ich sonst nicht erhalten hätte!
Gabriel García Marquéz hat es vorgemacht mit seiner Reportage „Das Abenteuer des Miguel Littín“. In der er über die Zustände in Chile berichtet, die Littín unter dem Cover der Erstellung eines Dokumtarfilms aufgezeigt hatte. Dies ist manchmal die einzige Möglichkeit, um so etwas zu tun!
Gilgenmann: Herr Schomers, ich danke Ihnen sehr für dieses Interview.
Link: http://www.lighthouse-film.de/index.htm
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